KfW-Kredit für altersgerechte Sanierung läuft 2011 aus
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist ein staatliches Kreditinstitut, das Fördermittel für diverse Projekte vergibt. Eins der Kreditprogramme ist für die Förderung altersgerechter Umbaumaßnahmen zuständig: ein Thema, das vor allem in Anbetracht des demografischen Wandels weiter an Relevanz gewinnt. Trotzdem soll das Programm im nächsten Jahr nicht weitergeführt werden.
Sie planen, Barrierefreiheit in ihren eigenen vier Wänden umzusetzen, bevor das Problem der eingeschränkten Mobilität akut wird? Dann sollten Sie sich bald entscheiden. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wird ihr Förderprogramm 155 „Altersgerecht Umbauen“ voraussichtlich 2012 nicht mehr weiterführen.
Die KfW hält im Bereich Bauen, Wohnen oder Energie sparen diverse staatliche Fördermittel bereit. In den letzten Jahren waren noch jeweils 80 und 100 Mio. Euro für die KfW-Programme, die barrierefreie Sanierung betreffen, verfügbar. Der Kabinettsbeschluss zum Bundeshaushalt sieht allerdings 2012 gar keine Förderung mehr für die barrierefreie Sanierung vor. So ist die Kreditanstalt in der misslichen Lage, bald nur noch bestehende Aufträge ausführen zu können.
Kritik von verschiedenen Seiten
Die geplante Aufgabe der KfW-Förderung für barrierefreies Sanieren ruft diverse Kritiker auf den Plan, darunter den Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und den Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW). Der Hauptgeschäftsführer des ZDB, Felix Pakleppa, zeigt sich verständnislos: „Die Streichung eines auch nach Ansicht der Bundesregierung erfolgreichen Programms mit einer Etatgröße von 0,1 Mrd. Euro ist angesichts der demografischen Herausforderungen nicht nachvollziehbar und kurzsichtig. Denn über kurz oder lang bekommen wir in vielen Regionen Deutschlands eine graue Wohnungsnot, weil barrierearme oder barrierefreie Wohnungen für Senioren fehlen.“ Dabei hatte die Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der SPD-Bundestagsfraktion vom 16. Mai 2011 noch geantwortet, altersgerechtes Wohnen sei „ein wichtiges wohnungs- und stadtentwicklungspolitisches Anliegen der Bundesregierung“. Ziel müsse immer sein, älteren Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Mit dem KfW-Förderprogramm sollten ursprünglich Investitionsanreize geschaffen werden, um mit dem Umbau der eigenen Immobilie Barrierefreiheit zu gewährleisten. „Dass die Bundesregierung vor diesem Hintergrund zwei Monate später ihre Meinung um 180 Grad ändert, ist nicht zu verstehen“, ergänzt Pakleppa.
Auch der BFW spricht von einer drohenden „grauen Wohnungsnot“. Diese Sicht wird gestützt von der aktuellen Studie „Wohnen im Alter“ vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, in der die Prognose aufgestellt wird, dass aufgrund des demografischen Wandels kurzfristig ein Mehrbedarf von 2,5 Millionen altersgerechten und barrierefreien Wohnungen bestehen wird, bis 2030 sogar 3 Millionen. Vor diesem Hintergrund ist das Wegfallen der Fördergelder schlicht unverständlich. „Ohne staatlichen Push produzieren wir ein neues soziales Problem für die Wohnungsmärkte der kommenden Jahre“, so BFW-Präsident Walter Rasch.
Weitere Fördermöglichkeiten gefordert
Rasch fordert statt des Förderstopps, weitere Anreize zu schaffen. Eine erhöhte, verkürzte steuerliche Abschreibung wie beim energetischen Sanieren angedacht, könnte eine Lösung darstellen. Auch der Neubau sollte angeregt werden, Barrierefreiheit von vorn herein in seinen Plänen zu verankern. Nur so kann das drohende Wohndesaster verhindert werden.
